„Viele haben keine genaue Vorstellung von der Bundeswehr“
Nach dem Auszug ihrer Kinder startete Carolin als Quereinsteigerin in der Unterstützungsstaffel bei der Luftwaffe durch. Aktuell kümmert sich die ehemalige Erzieherin unter anderem um die Truppenausweise und dokumentiert Veranstaltungen.
Carolin, wie war dein Weg in die Bundeswehr?
Als junge Frau wollte ich ursprünglich zur Polizei – was aber für mich im Widerspruch dazu stand, dass ich Kinder haben wollte. Ich wurde stattdessen Erzieherin, arbeitete außerdem eine Zeit lang im Einzelhandel. Als die Kinder aus dem Haus waren, habe ich mir die Frage gestellt, ob ich so weitermachen möchte. Als ich mich dann bei der Bundeswehr vorgestellt und einen Aufnahmeantrag gestellt hatte, hieß es: Sie müssen wie die jungen Menschen auch eine Grundausbildung machen.‘ Das war für mich in Ordnung. So fing es an – inzwischen diene ich bei der Luftwaffenunterstützungsgruppe in der Unterstützungsstaffel.
Du sagst, viele Menschen haben nur ein „plakatives Wissen“ über die Bundeswehr. Wie versuchst du, dieses Bild in Gesprächen zu korrigieren?
Ich fange immer erst mal damit an, zu erklären: ‚Ich habe noch niemanden getötet, ich war freiwillig in meinen drei Einsätzen, ich krieche nicht jeden Tag im Schlamm – und nur weil ich bei der Luftwaffe bin, fliege ich auch kein Flugzeug.‘ Und da sind viele schon erst mal sprachlos, weil es eben nur ein oberflächliches Wissen ist, was sie haben. Dadurch, dass die Bundeswehr spätestens seit Wegfall der Wehrpflicht nicht präsent war in der Öffentlichkeit, hat keiner eine genaue Vorstellung von ihr. Ich kann nur sagen: Es wird jeder gebraucht, man muss nur schauen, wo er oder sie hinpasst.
Was bedeutet der Veteranentag für dich?
Ich habe mich riesig über seine Einführung gefreut und bin zu 100 Prozent überzeugt: Wenn es darauf ankäme, würde sich jeder darüber freuen, dass es Menschen gibt wie unsereiner, die bereit sind, ihr Leben für andere zu geben – nichts anderes ist es. Ich hoffe, dass diese Botschaft jedes Jahr mehr Menschen erreicht und ihnen die Augen öffnet, was wirklich dahintersteht. Dass sie vielleicht mal interessiert hinter die Kulissen schauen oder Dinge hinterfragen. Und vielleicht uns dann als Menschen sehen, die sich für andere einsetzen.