Ein Soldat im Porträt

Zwischen Dienst und Familie: „Ein Soldat ist nicht nur Uniformträger“

Martin, Oberstleutnant und Inspektionschef in der Feldwebelausbildung, ist seit fast 20 Jahren bei der Bundeswehr. In seiner Freizeit spielt der Berufssoldat Fußball und entspannt auf Konzerten. Wie er als Veteran Dienst und Familie zusammenbringt – und wo Privatperson und Soldat verschwimmen.

Martin, wie fing es für dich an bei der Bundeswehr?

Ich bin zur Bundeswehr gekommen, als es die Wehrpflicht noch gab. Da war für mich kein Thema, zu verweigern, sondern ich habe gesagt: Es ist eine Pflicht, die werde ich auch wahrnehmen. Ich habe dann aber relativ schnell gemerkt, dass es mir Spaß macht. Wenn ich nicht zur Bundeswehr gegangen wäre, wäre mein Plan B die Polizei gewesen. Ich wollte etwas machen, das abwechslungsreich ist, mich körperlich fordert und bei dem man gleichzeitig mit Menschen zu tun hat. Nur im Büro zu sitzen, wäre überhaupt nicht meins gewesen.

Woran merkt man bei dir privat, dass du Soldat bist?

Die Bundeswehr beeinflusst mich schon sehr stark. Ich bin jetzt das erste Mal in einer Verwendung, in der ich jeden Tag nach Hause zu meiner Familie fahren kann. Sonst war ich immer von Sonntagabend bis Freitag unterwegs, und das war natürlich gerade für Familie, Freunde und Vereine eine Herausforderung. Meine Frau schimpft manchmal, weil ich bestimmte Verhaltensweisen aus dem Dienst übernommen habe, zum Beispiel dieses Trichterdenken: Von oben kommt ein Auftrag rein und unten muss eine Entscheidung rausfallen. Ich ertappe mich oft dabei, dass ich sehr rational denke. Und ich habe ein starkes Autoritätsdenken entwickelt, also die Fähigkeit, mich gut in Hierarchien einzuordnen.

Welche Seite an Soldatinnen und Soldaten sehen Außenstehende zu selten?

Die Vorurteile gegenüber Soldaten stimmen oft gar nicht. Ich finde wichtig, dass man versteht: Ein Soldat ist nicht nur Uniformträger, sondern auch Mensch, Familienvater, Mutter, Bruder oder Schwester. Dass wir alle unser Päckchen zu tragen haben, aber trotzdem unseren Job gerne machen. Und die Bundeswehr ist extrem vielseitig – von der Kampftruppe bis zur Arbeit im Ministerium. Genau diese Vielfalt macht den Beruf für mich so spannend. Der Veteranentag zeigt das und schafft wieder Wahrnehmung für die Menschen, die gedient haben, egal ob aktiv oder nicht mehr aktiv.
 

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